Friedhofs-Vandalismus: ein Kommentar
Am 07.09.2026 kam sie, diese Meldung aus den Medien, die kein Mensch gebraucht hätte: Wieder kam es zu Zerstörung auf dem jüdischen Friedhof in Bad Berleburg.
Warum hätte diese Meldung kein Mensch gebraucht? Vielleicht stelle ich das unzulässigerweise verallgemeinert dar, aber zumindest ich hätte diese Meldung nicht gebraucht. Ich brauche solche Meldungen nicht, weil ich verdammt noch mal hoffen und glauben will, dass ich in einer Welt lebe, in der es bestimmte Grenzen gibt, die man einfach nicht überschreitet: Grenzen, die unser Grundgesetz klar definiert und die unsere Gesetzgebung aus den im Grundgesetz verankerten Werten abgeleitet hat.
Dann blättere ich virtuell die Online-Zeitung auf und muss so eine Scheiße lesen! Es gibt da draußen Menschen, die sich toll fühlen, wenn sie Gräber schänden. Und „da draußen” bezeichnet hierbei nicht einmal irgendeinen düsteren Ort aus einem dystopischen Roman, sondern Bad Berleburg, Wittgenstein, die Region, in der wir leben. Dabei ist es erst einmal egal, ob es jüdische, muslimische, christliche oder überkonfessionelle Gräber sind. Allein die Tatsache, dass sich einige dazu berufen fühlen, durch feigen Vandalismus Stätten zu zerstören, an denen verstorbene Menschen ihre letzte Ruhe finden sollen und die den Menschen als Erinnerung an ihre Lieben dienen, ekelt mich an.
Ich kann Vandalismus in jeder Form generell nichts Romantisches abgewinnen, denn kaputt machen kann wirklich jeder Volltrottel. Dazu braucht man keinerlei Kompetenzen. Vandalismus ist etwas für die ganz armseligen Gestalten unter uns. Wenn sich das Ganze dann noch gegen Dinge richtet, die nicht nur einen materiellen, sondern einen ganz besonderen emotionalen und kulturellen Wert haben, dann fehlt mir dafür wirklich selbst der kleinste Fitzel Verständnis.
Fast möchte ich mir wünschen, dass die Täterinnen und Täter vollkommen zugedröhnt mit Alkohol oder Drogen waren – nicht weil ich das als Entschuldigung für solch ein Verhalten ansehe, sondern weil dann zumindest der Funken Hoffnung bleibt, dass es ihnen jetzt, wo sie wieder klar(er) denken können, unglaublich peinlich ist, was sie da getan haben. Das Wissen, dass ich meinen Lebensmittelpunkt mit Menschen teile, die so denken und handeln, erfüllt mich mit allergrößtem Unbehagen. Ich hoffe inständig, dass diese Personen denselben Mangel, den sie an Anstand haben, auch an Intellekt haben, so dass sie Fehler gemacht und Spuren hinterlassen haben, anhand derer die zuständigen Ermittlungsbehörden ihnen schnell auf die Schliche kommen.
Für die UWG Erndtebrück drücke ich der jüdischen Community in Wittgenstein und all jenen, die auf dem betroffenen Friedhof Freunde und Verwandte beerdigt haben, mein tiefstes Mitgefühl aus.
geschrieben von: Benjamin Lübbert

